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Privatmedizin & GOÄ

Mehr Privatpatienten bis zur neuen GOÄ – die Bausteine, die eine Praxis braucht

Von Radim Hart · Veröffentlicht: 6. November 2026 · Zuletzt geprüft: 6. November 2026
KurzantwortUnter der neuen GOÄ wächst der Privatanteil einer Praxis nicht mehr über den Abrechnungsfaktor, sondern über die Zahl passender Privat- und Selbstzahlerpatienten. Planbar wird das über vier Stufen: gefunden werden, wenn jemand sucht; erreichen, wer noch nicht sucht; die richtigen Patienten zur richtigen Leistung führen; und aus jeder Anfrage zuverlässig einen Termin machen. Den letzten Schritt – Rückruf und freie Ersttermine – kann nur die Praxis selbst sichern.

Bis zur neuen GOÄ bleibt nach dem Stand von November 2026 voraussichtlich gut ein Jahr; Bundesärztekammer und PKV-Verband halten den 1. Januar 2028 für möglich. Danach steht für jede Leistung fest, was sie bringt. Den Faktor, an dem man theoretisch noch drehen konnte, gibt es dann nicht mehr.

Was bleibt, ist die einfachere und zugleich härtere Frage: Kommen genug passende Privatpatienten und Selbstzahler – und zwar planbar, nicht nur in guten Monaten?

Was sich an der Gebührenordnung genau ändert und wo das Verfahren steht, lesen Sie unter Neue GOÄ: Was sich ändert und wann sie kommt. Hier geht es darum, woraus ein planbarer Patientenzugang besteht.

Warum Empfehlungen allein nicht mehr reichen

Die meisten Praxen leben beim Privatanteil von Empfehlungen und Laufkundschaft. Das ist wertvoll, aber nicht steuerbar: Es kommen die, die zufällig kommen, mit den Anliegen, die sie zufällig haben.

Gleichzeitig suchen Privatversicherte und Selbstzahler heute anders als vor zehn Jahren. Sie vergleichen Bewertungen, lesen Praxisseiten am Abend, fragen ChatGPT nach „dem besten Orthopäden in der Nähe“ und buchen dort, wo sie zuerst einen Termin bekommen.

Ein planbarer Zugang besteht deshalb nicht aus einer Maßnahme, sondern aus mehreren Bausteinen, die ineinandergreifen. Wir arbeiten mit elf. Sie lassen sich in vier Stufen ordnen.

Stufe 1: gefunden werden, wenn jemand sucht

Nachfrage-Erfassung – erkennt, wer gerade sucht. Ein Patient, der heute Abend nach einer Behandlung sucht, hat die Entscheidung für die Behandlung meist schon getroffen. Er fragt nur noch: wo, bei wem, wann. Wer in diesem Moment nicht sichtbar ist, existiert für ihn nicht.

KI-Sichtbarkeit – in Antworten von ChatGPT & Co. Immer mehr Patienten fragen nicht mehr eine Suchmaschine, sondern einen KI-Assistenten. Der nennt wenige Praxen, nicht zwanzig. Ob Ihre dabei ist, lässt sich prüfen – und beeinflussen.

Reputations-Signal – Bewertungen & Karten. Bevor jemand anruft, schaut er auf Sterne und auf die Karte. Eine Praxis mit wenigen oder alten Bewertungen verliert genau die Patienten, die sie sich am meisten wünscht.

Organische Reichweite – wächst Monat für Monat. Inhalte auf der eigenen Website, die konkrete Fragen beantworten, bringen über die Zeit Patienten, ohne dass für jeden einzelnen bezahlt wird. Langsam im Aufbau, dafür dauerhaft.

Stufe 2: erreichen, wer noch nicht sucht

Bedarfsweckung – erreicht, wer noch nicht sucht. Viele Selbstzahlerleistungen sucht niemand aktiv, weil kaum jemand weiß, dass es sie gibt: der ausführliche Herz-Check, die Leistungsdiagnostik, die zweite Meinung vor einer Operation. Hier geht es darum, sachlich zu informieren – berufsrechtlich sauber, ohne Versprechen.

Content-Engine – Beiträge im Ton der Praxis. Regelmäßige Beiträge, die klingen wie Sie und nicht wie eine Agentur. Sie halten die Praxis sichtbar, stärken die KI-Sichtbarkeit und geben Patienten einen Grund, sich gerade für Sie zu entscheiden.

Stufe 3: der richtige Patient für die richtige Leistung

Patientenpfade – je Leistung ein eigener Weg. Wer eine Stoßwellentherapie sucht, hat andere Fragen als jemand, der eine Zweitmeinung vor einer Knie-OP will. Jede Leistung, die Sie ausbauen wollen, bekommt deshalb ihren eigenen Weg bis zum Termin.

Vorqualifizierung – bevor ein Termin entsteht. Nicht jede Anfrage passt. Die Vorqualifizierung sorgt dafür, dass im Kalender die Patienten landen, für die der Termin gedacht ist – und schützt ihn vor Terminen, die weder dem Patienten noch der Praxis helfen.

Stufe 4: aus der Anfrage wird ein Termin

Termin-Automatik – bucht ohne Rückruf. Jede Anfrage, die auf einen Rückruf warten muss, ist eine Anfrage, die woanders bucht. Ein passender Patient sollte seinen Ersttermin in dem Moment bekommen, in dem er sich entschieden hat.

KI-Rezeption – nimmt Anrufe an, rund um die Uhr. Viele Privatpatienten rufen dann an, wenn die Praxis gerade nicht abnimmt: in der Mittagspause, nach Feierabend, am Wochenende. Eine KI-Rezeption nimmt diese Anrufe an, beantwortet Standardfragen und nimmt Terminwünsche auf – datenschutzkonform eingerichtet und so, dass Ihr Team am nächsten Morgen weiß, wer angerufen hat.

Nachfass-Automatik – erinnert & bestätigt. Ein gebuchter Termin ist erst dann ein Patient, wenn er auch erscheint. Bestätigung und Erinnerung senken Ausfälle, ohne dass jemand im Team daran denken muss.

Die elf Bausteine auf einen Blick

BausteinWas er leistetWoran Sie merken, dass er fehlt
Nachfrage-ErfassungSichtbar, wenn jemand suchtNeue Privatpatienten kommen fast nur über Empfehlung
KI-SichtbarkeitGenannt in Antworten von ChatGPT & Co.Sie fragen einen KI-Assistenten nach Ihrem Fach in Ihrer Stadt – und Ihre Praxis fehlt
Reputations-SignalVertrauen vor dem ersten KontaktWenige oder ältere Bewertungen als Praxen in der Nähe
Organische ReichweitePatienten ohne Kosten pro KontaktIhre Website beantwortet keine konkreten Patientenfragen
BedarfsweckungErreicht, wer noch nicht suchtSelbstzahlerleistungen kennt nur, wer schon Patient ist
Content-EngineRegelmäßig sichtbar, im eigenen TonDer letzte Beitrag ist Monate alt
PatientenpfadeJe Leistung ein eigener WegAnfragen kommen, aber selten für die Leistungen, die Sie ausbauen wollen
VorqualifizierungPassende Anfragen statt beliebigerErstgespräche, die mit „das zahlt meine Kasse nicht?“ enden
Termin-AutomatikBuchung ohne RückrufAnfragen warten auf Rückruf und buchen dann woanders
KI-RezeptionKein verpasster AnrufDie Leitung ist zu Stoßzeiten dauerhaft besetzt
Nachfass-AutomatikWeniger TerminausfälleErinnerungen hängen davon ab, ob jemand Zeit hat

Nicht jede Praxis braucht alle elf auf einmal. Welche zuerst anlaufen, hängt davon ab, wo bei Ihnen heute die meisten Patienten verloren gehen.

Was davon nur die Praxis selbst kann

Ein System kann passende Anfragen liefern. Ob daraus Patienten werden, entscheidet sich in der Praxis. Zwei Dinge lassen sich nicht auslagern:

Die Frage für Ihre nächste Teambesprechung: Wenn morgen drei passende Privatpatienten anfragen – wer ruft sie an, und welchen Termin bekommen sie?

Womit anfangen

Mit einer Leistung. Der, für die Sie Kapazität haben, hinter der Sie fachlich stehen und für die es in Ihrer Region Nachfrage gibt. Erst wenn sie stabil Termine bringt, kommt die nächste.

Wie viel Nachfrage es in Ihrem Einzugsgebiet gibt, zeigt der Nachfrage-Check. Was zusätzliche Privatpatienten für Ihre Praxis wirtschaftlich bedeuten, rechnet der Praxis-Potenzial-Rechner. Und was ein neuer Privatpatient in laufenden Systemen tatsächlich kostet, steht unter Was kostet ein neuer Privatpatient?

Welche Bausteine bei Ihnen zuerst anlaufen sollten, besprechen wir gern im Erstgespräch.

Radim Hart
M.Eng. Bc. Radim HartGründer von DAM – Digitale Akquise Medizin. Betreut ausschließlich Arztpraxen, Privatpraxen und Wahlärzte in Deutschland und Österreich – gemessen an gebuchten Patiententerminen. Mehr über DAM →

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