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Österreich

Ordination eröffnen – und ab Tag eins Patienten haben

Von Radim Hart · Veröffentlicht: 24. August 2026 · Zuletzt geprüft: 24. August 2026
KurzantwortWer die Patientengewinnung erst zur Eröffnung startet, verliert die ersten zwei bis drei Monate: Sichtbarkeit und Terminbuchungen brauchen realistisch 8–12 Wochen Anlauf. Die Vorbereitung sollte deshalb rund 90 Tage vor Eröffnung beginnen – mit Website und Terminbuchung als Erstes, danach Auffindbarkeit für die konkreten Leistungen. Wer so plant, startet mit gefülltem Kalender statt mit leeren Wochen.

Die Eröffnung einer eigenen Ordination ist meist bis ins Detail geplant: Räume, Geräte, Personal, Software, Genehmigungen. Ein Punkt fehlt dabei fast immer – und es ist ausgerechnet der, der über die ersten Monate entscheidet: Woher kommen die Patienten in Woche eins?

Bei einer Kassenordination federt das System diesen Start teilweise ab. Bei einer Wahlarztordination oder Privatordination gibt es diesen Puffer nicht. Wer erst am Eröffnungstag beginnt, sichtbar zu werden, hat die ersten acht bis zwölf Wochen faktisch abgeschrieben.

Warum der Start 90 Tage vorher liegt

Digitale Patientengewinnung ist kein Schalter, sondern eine Kurve. Aus laufenden Systemen kennen wir den typischen Verlauf: erste Buchungen nach zwei bis vier Wochen, stabile Zahlen ab Woche acht bis zwölf (ausführlich: Wie viele Patiententermine sind realistisch?).

Das heißt umgekehrt: Wer am Eröffnungstag bereits einen gefüllten Kalender haben will, muss etwa drei Monate vorher anfangen.

ZeitpunktWas passieren sollteWarum
−90 TageDomain, Website-Struktur und Leistungsspektrum festlegen; Terminbuchungssystem auswählenBeides braucht Vorlauf und ist Voraussetzung für alles Weitere
−60 TageWebsite online (auch als „Wir eröffnen am …"-Seite), Online-Terminbuchung aktiv, Einträge in Verzeichnissen und KartendienstenSuchmaschinen und Verzeichnisse brauchen Zeit, um eine neue Ordination überhaupt zu kennen
−45 TageSichtbarkeit für die konkreten Leistungen aufbauen; Terminvergabe für die Zeit nach Eröffnung öffnenPatienten buchen bereitwillig im Voraus, wenn sie einen Termin bekommen können
−30 TageHonorar- und Erstattungsinformation veröffentlichen; Abläufe im Team üben (Rückrufe, Terminbestätigung)Die Kostenfrage ist die häufigste Abbruchursache vor der Buchung
EröffnungKalender läuft; Messung prüfen: Woher kam jede Buchung?Ab jetzt zählt nur, was im Kalender ankommt
+90 TageAuf die Leistungen konzentrieren, die sich als tragfähig erwiesen habenNach drei Monaten liegen genug Daten für echte Entscheidungen vor

Die vier Dinge, die vor der Eröffnung stehen müssen

  1. Eine Website, die Termine erzeugt – keine Visitenkarte. Entscheidend sind Leistungen in der Sprache der Patienten, Vertrauenselemente und eine sichtbare Buchungsmöglichkeit auf jedem Bildschirm.
  2. Online-Terminbuchung. Ein erheblicher Teil der Anfragen entsteht abends und am Wochenende. Ohne Buchungsmöglichkeit ist dieser Teil verloren, bevor jemand zum Telefon greift.
  3. Auffindbarkeit für konkrete Leistungen. Niemand sucht nach „neue Ordination". Gesucht wird nach Beschwerden und Behandlungen, meist mit Ortsbezug. Wie groß diese Nachfrage in Ihrer Region wirklich ist, lässt sich vorab messen: Nachfrage-Check.
  4. Klare Kostenkommunikation. Gerade als Wahlarzt: Honorar und Kostenrückerstattung transparent erklären (mehr dazu unter Als Wahlarzt Patienten gewinnen).
Häufigster Fehler bei Neueröffnungen: zuerst Logo, Broschüre und Praxisschild – und die Website als letzter Punkt vor der Eröffnung. Sinnvoll ist die umgekehrte Reihenfolge. Das Schild sehen Menschen, die ohnehin vorbeigehen; die Website sehen die, die gerade nach Ihrer Leistung suchen.

Was das kostet – und was es wert ist

Für die Startphase gilt dieselbe Rechnung wie im laufenden Betrieb: Ein gebuchter Ersttermin kostet in laufenden Systemen typischerweise zwischen 50 und 130 € (Datengrundlage). Bei einer Neueröffnung liegt der Wert eines gewonnenen Patienten allerdings höher als die einzelne Behandlung: Er ist der Beginn einer Patientenbeziehung – und in der Anfangsphase zugleich die Quelle der ersten Bewertungen und Weiterempfehlungen, die spätere Gewinnung erleichtern.

Eine Modellrechnung für Ihre Situation können Sie im Praxis-Potenzial-Rechner durchspielen.

Methodik

Zeitplan und Zahlen basieren auf anonymisierten Auswertungen laufender Patientengewinnungs-Systeme in Deutschland und Österreich (Stand Juli 2026) sowie auf beobachteten Anlaufkurven neuer Systeme. Beobachtete Werte, keine Garantien. Rechtliche Hinweise sind allgemeine Orientierung und ersetzen keine Beratung im Einzelfall.

Radim Hart
M.Eng. Bc. Radim HartGründer von DAM – Digitale Akquise Medizin. Betreut ausschließlich Arztpraxen, Privatpraxen und Wahlärzte in Deutschland und Österreich – gemessen an gebuchten Patiententerminen. Mehr über DAM →

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