Was kostet Praxismarketing wirklich?
„Was kostet das?" ist bei Praxismarketing eine schwierige Frage – nicht weil die Antwort geheim wäre, sondern weil zwei völlig verschiedene Kostenarten regelmäßig vermischt werden. Wer sie trennt, kann die Angebote am Markt zum ersten Mal wirklich vergleichen.
Die zwei Posten, die niemals vermischt gehören
| Werbebudget | Agenturhonorar | |
|---|---|---|
| Wohin fließt es? | An die Plattformen (Suchmaschinen, soziale Netzwerke) | An den Dienstleister |
| Wofür? | Sichtbarkeit bei suchenden Patienten | Strategie, Aufbau, Betreuung, Optimierung, Messung |
| Wer sollte es kontrollieren? | Die Praxis – Konto auf Ihren Namen | Vertraglich fixiert, transparent ausgewiesen |
| Typische Größe/Monat | 1.200–2.500 € | 1.000–2.000 € |
Wenn ein Angebot nur eine Gesamtsumme nennt, fehlt Ihnen die wichtigste Information: wie viel tatsächlich in Sichtbarkeit fließt. Fragen Sie danach – auch weil das Werbebudget bei Ihnen direkt abgerechnet werden sollte, nicht über die Agentur.
Die drei Vergütungsmodelle im Vergleich
| Modell | Wie es funktioniert | Vorteil | Risiko |
|---|---|---|---|
| Fixes Honorar (Retainer) | Monatlicher Festbetrag für Betreuung | Planbar, Fokus auf langfristigem Aufbau | Bezahlt Aufwand, nicht Ergebnis – ohne klare Kennzahlen intransparent |
| Erfolgsbasiert (pro Termin/Anfrage) | Zahlung je geliefertem Ergebnis | Direkte Kopplung an das, was zählt | Anreiz zur Menge statt Qualität; „Ergebnis" muss sehr eng definiert sein |
| Kombiniert (Honorar + Ergebnisbindung) | Basishonorar plus vertraglich definiertes Terminziel | Planbarkeit für beide Seiten, Ergebnis bleibt verbindlich | Nur so gut wie die schriftliche Definition der Bedingungen |
Rein erfolgsbasierte Modelle klingen für Praxen zunächst am attraktivsten, führen aber häufig zu einem Qualitätsproblem: Wer pro Anfrage bezahlt wird, optimiert auf Anfragen – nicht auf Patienten, die tatsächlich erscheinen und behandelt werden. Deshalb kommt es weniger auf das Modell an als auf die Frage, welche Einheit vergütet wird. Klick, Anfrage und gebuchter Termin sind drei verschiedene Dinge (Details hier).
Was ist ein realistisches Budget?
Das Werbebudget ergibt sich nicht aus dem Bauchgefühl, sondern aus dem Ziel:
Benötigtes Werbebudget ≈ gewünschte Termine/Monat × Kosten pro Termin
Mit den realen Spannen aus laufenden Systemen (50–130 € pro gebuchtem Ersttermin, Datengrundlage) heißt das:
- 10 zusätzliche Termine/Monat: ca. 600–1.300 € Werbebudget
- 20 zusätzliche Termine/Monat: ca. 1.200–2.600 € Werbebudget
- 40 zusätzliche Termine/Monat: ca. 2.400–5.200 € Werbebudget – hier wird meist die Terminkapazität der Praxis zum Engpass
Unterhalb von etwa 800 € Werbebudget pro Monat wird es in den meisten Fachrichtungen schwierig: Die Datenmenge reicht dann nicht aus, um verlässlich zu optimieren, und das Ergebnis schwankt stark.
Ab wann rechnet es sich?
Die Rechnung ist einfacher, als viele erwarten. Gegenüberstellung für eine Praxis mit 600 € durchschnittlichem Patientenwert:
| Position | Betrag/Monat |
|---|---|
| Werbebudget | 1.800 € |
| Betreuungshonorar | 1.500 € |
| Investition gesamt | 3.300 € |
| Gebuchte Ersttermine (bei ~90 € pro Termin) | ca. 20 |
| Erscheinungsquote ~90 % → behandelte Patienten | ca. 18 |
| Zusätzlicher Umsatz (18 × 600 €) | 10.800 € |
Das Verhältnis liegt hier bei etwa 3:1 – und das ohne Folgebehandlungen, Weiterempfehlungen und den langfristigen Wert eines Patienten. Bei hochwertigen Leistungen (Implantologie, operative Eingriffe) verschiebt es sich deutlich weiter ins Positive.
Ihre eigenen Zahlen können Sie im Praxis-Potenzial-Rechner durchspielen – er rechnet mit genau diesen realen Kostenspannen.
Versteckte Kosten, nach denen Sie fragen sollten
- Einrichtungsgebühr – üblich, sollte aber beziffert und begrenzt sein.
- Kosten für Landingpage und Buchungsstrecke – gehört zum System, nicht als Extra obendrauf.
- Wem gehören Website und Werbekonten nach Vertragsende? Diese Frage ist bares Geld wert.
- Bindungsdauer und Kündigungsfrist – siehe die 12 Fragen an eine Agentur.
Methodik
Budget- und Kostenangaben basieren auf anonymisierten Auswertungen laufender Patientengewinnungs-Systeme in Deutschland und Österreich (Stand Juli 2026) sowie auf marktüblichen Honorarstrukturen im DACH-Raum. Beobachtete Werte, keine Garantien – Fachrichtung, Region und Wettbewerb verändern das Ergebnis erheblich.
Wie viele Termine sind in Ihrer Region realistisch?
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